7. Rother Notfalltag -„Reanimation … aber nicht nur ...“

14.12.2015 - Von: G. Rudolph

Unter dem Thema „Reanimation … aber nicht nur“ fand im Gesundheitszentrum der Kreisklinik der 7. Rother Notfalltag statt. Der inzwischen zum siebten Mal in Folge von der klinikeigenen Anästhesieabteilung organisierte Fortbildungstag für Notärzte, Rettungskräfte, Pflegende und Mitarbeiter der Feuerwehr im Landkreis Roth, vermittelte in kurzen und interessanten Fachvorträgen spezielles Wissen rund um das große Thema Notfallversorgung. Dabei wurden fachspezifische Neuigkeiten und persönliche Erfahrungen gemeinsam diskutiert und ausgewertet.

Chefarzt der Anästhesie Dr. Thomas Gall begrüßte die Teilnehmer und bedankte sich besonders bei allen Referenten und Unterstützern der Veranstaltung.

Landrat Hebert Eckstein und Werner Rupp, Vorstand der Kreisklinik Roth freute sich über das große Interesse am Notfalltag und verwies auf die hohe Teilnehmerzahl. Dies zeige, „dass Dr. Thomas Gall auch in diesem Jahr die richtigen Themen gefunden hat“. Ihm sei bewusst, wie groß die Herausforderungen für die im Rettungsdienst tätigen Mitarbeiter in den Einsätzen sind. Für das Engagement aber auch für die Organisation  der Veranstaltung sagte der Klinikleiter „Danke“.
Für Herbert Eckstein ist es wichtig, dass die Sicherheit in der gesamten Fläche des Landkreises weiterhin erhalten bleibe. Er dankte den Ehrenamtlichen und den Profis und wünschte den Teilnehmern einen interessanten Fortbildungstag.

Zu Beginn stellte Dr. Sarah Schulé, Assistenzärztin der Anästhesie, die 2015 überarbeiteten  Reanimationsleitlinien vor. Die Leitlinien sind für Notärzte und Rettungsassistenten die wissenschaftliche Basis und Empfehlung unter anderem für Therapie, Ausbildung und Ethik. Während zentrale Aussagen zur Durchführung einer Reanimation im Wesentlichen beibehalten wurden, so hätten sich im Vergleich zu den Leitlinien aus dem Jahr 2010 viele Bewertungen und Details geändert.

Dr. Marco Curschmann, Oberarzt der Unfallchirurgie an der Kreisklinik stellte in seinem Vortrag
die Möglichkeiten der notärztlichen Versorgung von Knochenbrüchen und bei Ausrenkungen von Knochen bereits vor der Einlieferung in das nächste Krankenhaus in den Vordergrund.
Zwar stehe die Stabilisierung des Kreislaufes ganz vorne an,  aber die Verletzungen der Extremitäten sollten keinesfalls unterschätzt werden. Sie gehören zu den häufigen Einsatzbildern in der Notfallmedizin.
Durch Verletzungen der Weichteile und die damit häufig einhergehenden Blutungen bestehe bei Verletzungen der Extremitäten die Gefahr von zusätzlichen Schäden. Durch starke Einblutungen entstehe Druck auf die Muskulatur und es drohen Gewebsschäden.

Zum Thema Hilfeleistungseinsätze im Gleisbereich der Deutschen Bahn referierte Kevin Müller, Notfallmanager der Deutschen Bahn AG über die Besonderheiten bei Einsätzen im Gleisbereich der Eisenbahn. Der Notfallmanager der Deutschen Bahn ist in jedem Fall Mitglied der Einsatzleitung vor Ort und  somit das „Gesicht der Bahn“, so Müller.
In seinen Ausführungen ging er besonders auf das Thema „Strom“ und „Verhalten im Gleisbett“ ein. An diesen Punkten werden die Rettungskräfte bei ihren Einsätzen häufig mit schwer einschätzbaren Situationen konfrontiert. Die Beantwortung der Fragen, ab welchem Zeitpunkt der Strom (mit 15000 Volt) in der Oberleitung abgeschaltet und die Strecke frei ist, entscheidet darüber,  ab wann das Gleisbett betreten werden darf. Erst dann kann ein Rettungseinsatz beginnen.
Auch Weichen bergen große Gefahren in sich. Weil sie oft zum Rangieren und zur Entlastung der Strecke notwendig sind, werden sie oft nicht abgeschaltet. Wenn ein Fuß eigeklemmt wird, komme es zu schweren Verletzungen, so Müller.

Die besonders typischen Verletzungen durch Verbrennungen und Verbrühungen im Kindesalter stellte Referent Dr. Bernd Landsleitner, ltd. Oberarzt an der Cnopf’sche Kinderklinik Nürnberg heraus. Für die Rettungskräfte sind hierbei einige Besonderheiten zu beachten, erklärte der Oberarzt.
Ab etwa 10% verbrannter Körperoberfläche besteht bei Kindern Schockgefahr. Trotzdem ist bei kurzen Transportzeiten in die Klinik nicht unbedingt ein intravenöser Zugang erforderlich, da in der Frühphase meist noch kein hoher Volumenbedarf vorliegt. Demgegenüber stehen Aufwand, Stressbelastung und Zeitverzögerung durch diese Maßnahme.
Oft werde auch nicht beachtet, dass Kinder eine wesentlich dünnere Haut besitzen als Erwachsene und somit eine wesentlich geringere Wärmeeinwirkung zu großen Hautschäden führen könnte.

Das Kühlen von Verbrennungen werde zwar weiterhin empfohlen, habe aber nur einen sehr kurzfristigen schmerzlindernden Effekt. Besondere Vorsicht sei beim Kühlen geboten, denn bei großflächigen Verbrennungen ist wiederum die Gefahr der Unterkühlung groß. Eine daraus entstehende Kreislaufbelastung könne ebenso große Probleme bereiten wie die durch die Verbrennung verursachten Hautschäden.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es noch die Teilnahmebescheinigungen und für jeden Teilnehmer ein kleines Präsent. Nächstes Jahr gibt es wieder einen Notfalltag, so Chefarzt Dr. Thomas Gall.