Ärztliche Versorgung in der Notaufnahme im Spannungsfeld zwischen Machbarem und Wirklichkeit

17.12.2015 - Von: G. Rudolph

Mit dem Ziel, die Zusammenarbeit die Zusammenarbeit bei der ärztlichen Versorgung der Patienten durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Roth und die klassische Notfallversorgung in der Klinik zu verbessern, trafen sich Dr. Jutta Linzmeier und Klinikvorstand Werner Rupp zu einem gemeinsamen Gespräch.

Mit Schmerzen wartet ein Patient im Wartebereich der Notaufnahme der Kreisklinik Roth auf ärztliche Hilfe. Seine Geduld ist inzwischen stark strapaziert, denn es ist bereits spät geworden und die Schmerzen lassen nicht nach. „Ich müsste doch schon lange dran sein“, fragt er sich und zappt auf seinem Smartphone nervös durch das weltweite Netz.
Was er nicht ahnt: Es wird noch länger dauern bis er „an die Reihe“ kommt. Für ihn gänzlich unbemerkt, treffen zusätzlich mehrere Patienten mit dem Rettungsdienst über die sogenannte „Rampe“, hinter der Notaufnahme ein. Hinzu kommt, dass die Behandlungsreihenfolge von Ärzten und Pflegenden nach der Schwere der Erkrankung und nicht nach der Reihenfolge des Ankommens festgelegt wird. Für den gestressten Patienten beinhaltet das eine zusätzliche Verlängerung der Wartezeit. Langsam fragt er sich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, wenn er gleich seinen Hausarzt aufgesucht hätte? Aber die Praxis hatte ja geschlossen und  den Ärztlichen Bereitschaftsdienst wollte er nicht erst bemühen. Schneller und unkomplizierter bekomm ich bestimmt Hilfe in der Notaufnahme, entschied er für sich und fuhr in die Klinik …

Die Darstellung skizziert für Dr. Jutta Linzmeier, niedergelassene Allgemeinärztin und zuständig für den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Roth (Obfrau Bereitschaftsdienst Roth) und Werner Rupp, Vorstand der Kreisklinik Roth, leider eine inzwischen häufig anzutreffende Situation in der Notaufnahme der Kreisklinik Roth. Ähnliche Schilderungen bekomme sie hin und wieder von ihren Patienten zurückgemeldet, bestätigte auch die Rother Hausärztin.

Dr. Jutta Linzmeier und Werner Rupp trafen sich mit dem Ziel, die Zusammenarbeit in der der ärztlichen Versorgung durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Roth und die klassische Notfallversorgung in der Klinik gemeinsam zu erörtern und zu verbessern.

Nach Meinung von Klinikchef Werner Rupp steige der Druck (durch die Anzahl der Patienten) auf die Notaufnahme vor allem dann, wenn die Praxen der niedergelassenen Ärzte geschlossen sind und der Ärztliche Bereitschaftsdienst für die Versorgung der Bürger zuständig ist. Viele Patienten suchen im Zweifelsfall lieber die Notaufnahme auf, anstatt sich über den Ärztlichen Bereitschaftsdienst einen Arzt vermitteln zu lassen.
Der Handlungsbedarf bestehe für die Kreisklinik vor allem durch die zunehmende Unzufriedenheit der Patienten und die überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in der Abteilung.
Hinzu komme, so Werner Rupp, dass zeitliche Ressourcen der Ärzte und Pflegenden für andere schwerkranken Patienten nicht mehr zur Verfügung stehen würden.

„Dabei ist ja eigentlich alles geregelt“, waren sich Dr. Jutta Linzmeier und Werner Rupp einig.
„Um Missverständnissen vorzubeugen“, erklärte Werner Rupp zu Beginn des Gesprächs, „die Kreisklinik Roth werde keine Patienten abweisen“. Es stehe nicht im Ermessen der Klinik während der Erstversorgung zu beurteilen, ob im Einzelfall ein tatsächlicher Notfall vorliege oder der Patient in einer Arztpraxis besser aufgehoben wäre.

Die Hausärztin und der Klinikvorstand sehen vielmehr die Patienten selbst in der Verantwortung zu entscheiden, an wen sie sich mit ihren Beschwerden wenden. Besuchen sie die Notaufnahme oder rufen sie den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dabei sind tatsächliche Notfälle, schwerwiegende, gesundheitliche Beeinträchtigungen, deren Behandlung keinen Aufschub dulden und sofort durch einen Notarzt behandelt werden müssen.

Unter Umständen könnten sich viele Patienten sogar Zeit sparen, wenn sie sich sofort in die Behandlung eines von der Zentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes vermittelten niedergelassenen Arztes begeben würden. Beispielsweise müssen die Patienten für eine Krankschreibung oder Kontrolluntersuchungen nachträglich ihren Hausarzt aufsuchen. Vielen Patienten ist dabei nicht bekannt, dass Klinikärzte keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen dürfen.
Um zu einer sinnvollen Entscheidung zu gelangen, könne jeder fiktiv überlegen, ob man an einem ganz normalen Werktag bei geöffneter Hausarztpraxis mit seinen speziellen gesundheitlichen Beschwerden lieber seinen Hausarzt oder doch die Notaufnahme aufsuchen würde. 

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter der kostenfreien Rufnummer 116117 erreichbar.
Auf diesem Hintergrund appellieren Linzmeier und Rupp an die Bürger, sich während der kommenden Feiertage, vor einem notwendigen Arztbesuch zu überlegen, ob ein Besuch der Notaufnahme im Krankenhaus tatsächlich notwendig ist.


Dr. Jutta Linzmeier weist darauf hin, dass die Arztpraxen geschlossen sind, weil die ärztlichen Kollegen Wochenendfrei, Feiertagsfrei oder Urlaub, so wie jeder andere Mitbürger, haben. Deshalb ist die medizinische Notfallversorgung an diesen Tagen, besonders auch nachts, über den ärztlichen Bereitschaftsdienst organisiert.

In der Regel findet die Behandlung einer Arztpraxis statt, erklärte die Allgemeinmedizinerin. Bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit kann auch ein Hausbesuch erfolgen.

In den Arztpraxen werden in den nächsten Tagen Infoblätter mit der Telefonnummer, den Bereitschaftsdienstzeiten und der Feiertagsregelung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ausgehängt.