Kann zentrale Bereitschaftspraxis Notaufnahme entlasten? SPD-Kreisräte und Landrat Herbert Eckstein im Gespräch mit dem Kreisklinik-Vorstand Werner Rupp — Herausforderung

14.03.2015 - Von: Roth-Hilpolsteiner Volkszeitung

LANDKREIS ROTH — Zu einem Meinungsaustausch über die Zukunft und die Zukunftschancen der Kreisklinik trafen sich die Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion mit Landrat Herbert Eckstein (gleichzeitig Verwaltungsratsvorsitzender der Kreisklinik) und dem Vorstand der Klinik, Werner Rupp.

Dass die Kreisklinik eine gute Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren hinter sich hat, darüber waren sich Kommunalpolitik und Vorstand einig. Man hatte aber auch vor Augen, dass die Klinik vor neuen Herausforderungen steht. 

 Die Qualität der Kreisklinik auch in Zukunft sicherzustellen, ist eine der größten Herausforderungen. „Unsere Klinik hat sich zu einer der wichtigsten Einrichtungen für die Menschen im Landkreis entwickelt“, davon brauchten weder der Landrat noch Werner Rupp die SPD-Kommunalpolitiker überzeugen. „Die Menschen wollen einfach ihre wohnortnahe Versorgung mit überschaubaren Strukturen.“ Die soll es im Landkreis Roth möglichst immer geben, wenn es nach dem Willen der SPD-Kreisrätinnen und -Kreisräte geht. 

 Sowohl der zunehmende Fachkräftemangel als auch die geringe Wertschätzung der sozialen Berufe in der Gesellschaft erschweren allerdings zunehmend die Arbeit. Teilweise müssten attraktivere Rahmenbedingungen geschaffen werden, appellierte Rupp an die Kommunalpolitiker. Schwer zu verkraften sei auch die völlige Überlastung der Notaufnahme. Immer mehr Patienten nutzten die Notaufnahme wegen klassischer ambulanter Notfälle anstatt den ambulanten Bereitschaftsdienst zu konsultieren. 

 Alle würden profitieren 
Als Lösungsansatz wurde die Einrichtung einer zentralen Bereitschaftspraxis diskutiert. Als idealen Standort sahen alle die Klinik an. Alle beteiligten Seiten würden davon profitieren, war Dr. Hannedore Nowotny, Mitglied im Verwaltungsrat der Klinik, überzeugt: die Patienten, die Ärzte, die Krankenkassen und die Klinik.

Finanzielle Vorteile seien für die Klinik zwar eher gering, aber die Notfallambulanz würde spürbar entlastet, die Versorgungssicherheit der Patienten gefestigt. „Und es wäre eine zukunftsfähige Lösung für den Landkreis, da laufen Sie bei mir offene Türen ein“, bestätigte Werner Rupp. Den Schritt könne man aber nur wagen, wenn die niedergelassenen Ärzte auch für diese Idee gewonnen werden könnten.
Bayernweit gibt es inzwischen einige solcher Bereitschaftspraxen, die in den Räumen von Kliniken untergebracht sind und im Bedarfsfall auch die dortige Infrastruktur nutzen können. So hätten Patienten auch außerhalb der Sprechzeiten eine feste Anlaufstelle. 

 Werner Rupp bat ebenfalls zu berücksichtigen, dass es schon in absehbarer Zeit im ländlichen Raum zu neuen Problemen in der Gesundheitsversorgung kommen wird. Nicht nur die Patienten, auch die Ärzte werden älter. Einen Nachfolger zu finden, sei gerade auf dem Land für Mediziner extrem schwer. 

 Immer mehr Aufgaben 
„Ärztemangel und demografischer Wandel tragen dazu bei, dass sich das Aufgabenspektrum von Krankenschwestern und Arzthelferinnen erweitert - an dieser Feststellung führt kein Weg vorbei“, machte Rupp den Kommunalpolitiker Innen deutlich. Eine Umorientierung sei nötig. In einigen Bundesländern sei man schon einen Schritt weiter, belegte er anhand einiger Beispiele. 

Gerade weil die Aufgaben vielfältiger werden und möglichst alle Akteure an der Umorientierung mitwirken müssen, werteten die SPD Kreisrätinnen und Kreisräte diesen Bereich als „Herkulesaufgabe“. Man benötige ein Konzept, das ständig auf die Herausforderungen angepasst werde, so Fraktionssprecherin Christine Rodarius, und zwar am besten auf die Belange des Landkreises beziehungsweise der Region zugeschnitten. „Bei der Suche nach Lösungen wäre die Klinik dabei“, versicherte Werner Rupp. 

Neben all den inhaltlichen Aspekten darf nicht vergessen werden, dass in Teilbereichen eine Sanierung der Klinik demnächst anstehe, so Rupp weiter. Immerhin komme die Klinik allmählich „in die Jahre“. Abgesehen davon, dass es für manche Bereiche keinerlei Förderung geben wird (Apotheke, Küche), ist es eine zusätzliche Herausforderung, im laufenden Betrieb zu sanieren. „Dafür bedarf es eines durchdachten und organisierten Masterplans“, so der Klinik-Vorstand weiter.