Senioren besonders gefährdet - Depressionen großes Thema in der Geriatrie

06.04.2017 - Von: G. Rudolph

Der Weltgesundheitstag am morgigen Freitag lenkt den Blick auf das Krankheitsbild Depression. Dabei handelt es sich nicht um eine „lapidare Charakterschwäche“, die sich in „niedergedrückter Stimmung“ oder „schlechter Laune“ äußert. Sondern um eine der häufigsten Erkrankungen der Gegenwart. Ohne Behandlung können Depressionen zur Zerstörung der Persönlichkeit, zu körperlichen Beschwerden und nicht selten zum Suizid führen.

Depression, Therapiegespräch

Die Mehrheit der über 65-Jährigen lebt heutzutage allein – was sie laut Experten anfälliger macht für Depressionen.
Besonders alarmierend ist es, dass fast 40 Prozent aller Suizide in Deutschland von Männern über 60 begangen werden. Gerade diese Gruppe geht aber am seltensten zur Therapie, wie Untersuchungen ergeben haben. Bei Frauen ist jede zweite, die ihrem Leben selbst ein Ende setzt, älter als 60 Jahre.

Renate Struntz-Eberlein, Diplom-Psycho-Gerontologin, systemische Therapeutin und Traumapädagogin an der Kreisklinik in Roth, weist darauf hin, dass Depressionen sowohl im Akutkrankenhaus und vermehrt auf der geriatrischen Reha eine tragende Rolle spielen.
„In der klinikeigenen geriatrischen Rehabilitationsabteilung versuchen wir den betagten Menschen in seiner Ganzheit zu sehen, um ihm wieder die größtmögliche Teilhabe am öffentlichen Leben sowie eine Integration in das soziale Umfeld zu ermöglichen“, so Altentherapeutin Gis Bellmann- Bucka, die ebenfalls eine Psychotrauma-Ausbildung hat.
Dabei sind die Depressionen ein großes Thema, denn sie gehen vor allem im Alter Hand in Hand mit den körperlichen Erkrankungen.

„Mit unserem geriatrischen Gesamtkonzept gehen wir grundsätzlich an jeden Patienten heran“, erklärt Therapeutin Renate Struntz-Eberlein. Sie und Gis Bellmann-Bucka sind seit Jahren in der Abteilung tätig. Nur über das wertschätzende persönliche Gespräch finden die Therapeutinnen Zugang zum depressiven Patienten. Sie haben dabei die Informationen, die der Patient bei der Aufnahme an den Stationsarzt, das Pflegepersonal, die Ergotherapeutin oder die Physiotherapeuten weitergibt. Ganzheitliche Behandlung Auf dem Weg dieser Befunderhebung und anhand der Krankenakte sowie des Berichts des vorbehandelnden Arztes wird die Diagnose gestellt.

Es werden die Vorerkrankungen abgeklärt und gemeinsam mit dem leitenden Geriater Oberarzt Dr. Albert Struntz sowie dem interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegenden, Physiound Ergotherapeuten sowie Logopäden ein ganzheitliches Behandlungskonzept für diesen Patienten erstellt.
Oft ist bereits bei Aufnahme bekannt, dass die Patienten unter Depressionen leiden und die Vermutung liegt nahe, dass sogar ein sichbgegenseitig bedingender Zusammenhang zwischen der körperlichen Vorerkrankung und der seelischen Erkrankung vorhanden ist. Die Ursachen von Depressionen können personenbezogen sein und sind teils im Umfeld der frühen Entwicklung der Persönlichkeit zu finden. Bedingt durch Stresseinflüsse und Veränderungen im Hormonhaushalt des Körpers kommt es überdies zu Veränderung im Gehirnstoffwechsel. Wenn man sich für eine medikamentöse Behandlung entscheidet, wird mit angepassten Antidepressiva meist über eine längere Zeit therapiert. Wichtig ist es, dass dabei parallel eine psychotherapeutische Begleitung erfolgt.

Aufklärende Gespräche mit nahen Verwandten unterstützen den Therapieansatz, denn erfahrungsgemäß, so Bellmann-Bucka, werden depressive Menschen nicht selten als charakterschwach abgetan. Aber ein „Reiß dich mal zusammen!“ sei an dieser Stelle eher kontraproduktiv. Eine maßgebliche Bewältigungsstrategie beinhaltet den Grundsatz, dass seelischer Druck in Form von Stress aus dem Leben „raus muss“, damit sich negative Zwangsdenkmuster nicht weiter erhärten.

Die therapeutischen Maßnahmen im psychosozialen Bereich sollen dazu beitragen, dass der depressive Patient eine positive Grundstimmung durch Erfolgserlebnisse erfährt und so wieder vom „Ich zum Du“ findet. Durch Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls kann auch wieder vermehrt die Begegnung mit anderen Menschen zugelassen werden. Um auch nach dem Klinikaufenthalt ein weiteres menschliches Miteinander anzuregen, werden nach Zustimmung des Patienten die Angehörigen und Freunde wenn möglich mit „ins Boot geholt“.

Weitere Informationen:
www.buendnis-depression.de