Schöne, neue Ausbildungswelt

09.12.2019 - Von: Text: Marco Frömter Foto: Guntram Rudolph

Ab Januar soll eine Generalisierung der Pflegerichtungen greifen.

Die Ausbildung im Bereich der Pflegeberufe steht vor einer großen Reform. Ab Januar tritt eine Gesetzesgrundlage inkraft, die die Ausbildungsberufe in der Alten-, Gesundheits- und Kranken- sowie der Kinderkrankenpflege zusammenfassen wird.
Für diese „Generalisierte Pflegeausbildung“ wurde jetzt im Landratsamt Roth ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. Dabei waren sich die Mitglieder des Ausbildungsverbundes einig: „Der Landkreis Roth hat bei diesem Vorhaben die Nase vorn.“ Im Rahmen der sogenannten „Pflegeoffensive“ werden die klassischen Pflegeberufe zu neuen Berufsbildern umfunktioniert. Dieser Schritt soll die Pflege attraktiver machen und dazu beitragen, dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzu wirken.

Der künftige „Pflegefachmann“ beziehungsweise die „Pflegefachfrau“ sollen nach dem Berufsabschluss in der Lage sein, in allen Bereichen der Pflege arbeiten zu können. Den Pflegefachleuten stünde sowohl ein Krankenhaus als auch ein Pflegeheim oder die ambulante Pflege als Arbeitgeber offen, erklärt Günther Wittmann, Geschäftsstellenleiter „Gesundheitsregion plus“. „Man ist mit diesem Abschluss genauso in der Lage, Kinder zu pflegen wie alte Menschen oder Kranke jeden Alters.“ Während man sich bisher mit der Wahl der Ausbildung festlegte, ob man lieber Kinder, Kranke oder Senioren pflegt, könne man sich mit dem neuen Abschluss später umorientieren. Der sei übrigens in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union anerkannt.

Aufgrund der Neuregelungen würden Kooperationen zwischen Pflegeschulen, Trägern der praktischen Ausbildung und externe Einsatzstellen stark an Bedeutung gewinnen: „Jeder Auszubildende muss in allen Bereichen der Pflege praktische Erfahrungen sammeln.“ Um den Übergang in diese völlig neue Ausbildungswelt zu ermöglichen, wurden im Rother Landratsamt träger- und sektorenübergreifende „Runde Tische“ organisiert. DieseZusammenarbeit habe den Rahmen geschaffen, eine höhere Qualität der Ausbildung – bei deutlich verringertem organisatorischem Aufwand für die Kooperationspartner – zu ermöglichen, so Günther Wittmann.

Landrat Herbert Eckstein ist nicht gerade „Oberfreund“ einer solchen Entwicklung. Dennoch hoffe er auf gutes Gelingen im Kampf gegen den Pflegekräftemangel. Für den Landkreis- Chef ist besonders wichtig, dass unter den Beteiligten kommuniziert werde und kein Konkurrenzkampf entstehe: „Es funktioniert nur, wenn miteinander gearbeitet wird.“ Für den Landkreis sei das Thema Pflege jedenfalls eine wichtige Angelegenheit.

Für Dr. Mathias Hartmann, Diakoneo- Vorstandsvorsitzender, ist die neue Pflegeausbildung nicht nur eine besondere Herausforderung. Er sieht darüber hinaus eine große Chance für die Neugewinnung von Pflegekräften. Hartmann lobte das Engagement im Landkreis: „Hier wurde das geschafft, worauf andere Landkreise noch warten. Ein tolles Ergebnis, das hoffentlich bald in der ganzen Region adaptiert wird.“ „Die Awo hat Angst“, gab Awo-Kreisvorsitzender Hartmut Hetzlein offen zu. Schließlich sei der Wohltätigkeitsverband ein Pflegedienst und kein Krankenhaus. Dennoch wolle man sich vor der Zukunft nicht verschließen: „Lasst es uns angehen und die Pflege nach vorne bringen.“ Keine halben Sachen möchte auch Markus Hanekamp machen. „Wir müssen den Job jetzt richtig angehen, dann können wir Menschen helfen, die wiederum anderen Menschen helfen werden“, so der Leiter der Berufsfachschulen für Krankenpflege an der Kreisklinik Roth.

Mit Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung entstand im Landkreis Roth der erste Ausbildungsverbund für die neue Pflegeausbildung in ganz Bayern.