Kreisklinik erlässt Besuchsverbot

20.03.2020 - Von: Robert Kofer/ Hilpoltsteiner Kurier

Ausnahmen für Palliativstation und Väter von Neugeborenen - Empfangsdienst am Eingang eingerichtet.

Vom Besuchsverbot ausgenommen ist nur die Palliativstation und die Entbindungsstation.
Für die Entbindungsstation gelten folgende Regelungen:

  1. Für Väter/ Partner der schwangeren Frau/ Wöchnerin, besteht weiterhin die Möglichkeit ihren Partner auf der Station 1 zu besuchen.
  2. Der Vater/ Partner sollte den Besuch auf einmal pro Tag beschränken.
  3. Während des Besuchs darf die Station nicht verlassen werden.
  4. Ein Partner kann auch eine von der Schwangeren bestimmte Person sein.
  5. Die Person darf unter keinen Umständen an Symptomen einer Infektionskrankheit leiden und muss vorher von der betreuenden Hebammen (evtl. von Pflegekräften) abgefragt werden.
  6. Der Partner/ die Partnerin darf unter den üblichen Auflagen an der Entbindung teilnehmen.
  7. Eine Anwesenheit im OP (bei einem Kaiserschnitt) ist ausnahmslos nicht gestattet.

Für diePalliativstation gelten folgende Regelungen:
Ein Besucher am Tag pro Patient.

Für alle anderen Personen gibt es bis auf Weiteres keinen Einlass.  "Wir wollen die Kontrolle haben", erklärt Manfred Wienziers, einer von zwei Hygienefachkräften der Kreisklinik.

Am Eingang steht täglich von 9 bis 16 Uhr Personal bereit, das Geld, frische Wäsche und Lesestoff an die Patienten weiterreicht. Auf der ehemaligen Privatstation 10 ist eine Abteilung für Corona-Fälle eingerichtet worden. Zwei Patienten, die als Corona-Verdachtsfälle eingestuft wurden, sind bereits dort untergebracht. Die Klinik wartet auf die Testergebnisse. Zum Glück habe die Mikrobiologie in Nürnberg ihre Kapazitäten verdreifacht, was die Wartezeiten verkürze, sagt Manfred Wienziers. In Nürnberg werden die Covid-19-Tests aus Roth analysiert. Auf der neuen Station 10 hält die Kreisklinik jetzt zehn Betten für bestätigte Corona-Patienten, die an schweren Symptomen leiden, bereit. Sieben Beatmungsgeräte stehen dort zur Verfügung.

Jegliche Notfallversorgung im chirurgischen Bereich zum Beispiel bei Unfällen ist laut Dirk Asshoff, dem ärztlichen Leiter der Kreisklinik, aktuell Tag und Nacht ohne Probleme gewährleistet. Auch kleinere Operationen werden weiterhin durchgeführt. Um Behandlungsressourcen freizuhalten, wird bereits jetzt nur noch ein stark reduziertes OP-Programm gefahren. Planbare Operationen, die im Nachgang eine Behandlung auf einer Intensivstation benötigen, werden verschoben und somit ab nächster Woche nicht mehr durchgeführt.

Der Aufwachraum direkt neben dem OP-Saal wird zur Intensivstation für "Normalpatienten" umfunktioniert und hat sechs Betten. Eine zweite Intensivstation mit zehn Betten für Patienten, die mit dem Corona-Virus infiziert sind, wird gerade aufgebaut. "Mein Bestreben ist es, dass wir ein bis zwei Schritte voraus sind, nicht einen halben hinterher", sagt Manfred Wienziers.

Personalengpässe gebe es derzeit nicht, versichert der Personalratsvorsitzende Guntram Rudolph: "Es gibt eine große Solidarität unter den Mitarbeitern. " Weil nicht notwendige Operationen verschoben worden sind, würden Mitarbeiter frei werden, die jetzt in anderen Abteilungen aushelfen würden.

"Außerdem sind wir in der glücklichen Situation, dass wir eine Krankenpflegeschule haben, die wir einsetzen können", sagt Rudolph. Da der Unterricht wie an allen Schulen abgesagt ist, können Schülerinnen und Schüler, die über 18 Jahre alt sind, in der Klinik helfen. Sie besetzen zum Beispiel den Besucherempfang am Eingang. Auch klinikfremde Besucher, zum Beispiel Techniker oder Lieferanten, werden von ihnen durchs Haus begleitet.

Das Personal auf Station 10 sei bereits geschult, sagt Hygieneexperte Wienziers. Jeder wisse, wie man die Schutzkleidung anlege und vor allem sicher wieder ausziehe. Allerdings gebe es Lieferschwierigkeiten für Schutzkleidung. "Wir bekommen kein neues Material", sagt Wienziers. Noch hätte man genügend Masken der Schutzklasse FFP2 für Verdachtsfälle und leicht erkrankte Corona-Patienten und der höheren Schutzklasse FFP3, falls man schwer erkrankte Corona-Patienten intubieren müsse.

"Wir haben geringe Bestände, die für die erste Vorsorgung ausreichen würden", sagt Wienziers. Dann bräuchte man Nachschub. Die Preise für die Schutzkleidung hätten sich gravierend erhöht, "trotzdem bestellen wir immer die Höchstmenge". Bei den Schutzbrillen für Ärzte und Pfleger sehe es besser aus, weil man hier gutes Material gekauft habe, dass man desinfizieren kann. "Die billigen Brillen muss man wegwerfen", sagt Wienziers.

Damit möglichst viel dieses kostbaren Materials geschont wird, testet die Kreisklinik nur Patienten, die konkrete Symptome zeigen. Dafür gibt es eine eigene Rampe an der Notaufnahme. Dort entscheidet dann ein Arzt, ob ein Abstrich gemacht wird, ob ein Patient eingewiesen wird oder ob er wieder nach Hause kann. Für diese Untersuchungen steht ein separater Raum zur Verfügung.

Um die Kapazitäten offen zu halten, sollen gesunde Patienten, die nur den Verdacht haben, sie könnten sich angesteckt haben, sich entweder an die Hotline des Gesundheitsamtes oder an die Kassenärztliche Vereinigung unter der Rufnummer 116117 wenden. Nicht jeder, der am Wochenende Skifahren war, sollte in die Kreisklinik kommen. Das eigene Personal hat die Klinik allerdings schon nach dem Wochenende getestet, sofern es in Österreich Skifahren war. Ein Verhalten, das bei Wienziers Kopfschütteln auslöst. Auch wenn das Land zu diesem Zeitpunkt kein Risikogebiet gewesen sei, habe es bereits entsprechende Vorgaben gegeben. "Die Leute nehmen es einfach nicht ernst", sagt Wienziers.