Krankenpflegehelfer in einem Jahr

11.02.2019 - Von: Tobias Tschapka

An der Berufsfachschule für Krankenpflege neue Ausbildungsmöglichkeit

LANDKREIS ROTH — Die Berufsfachschule für Krankenpflege (BFS) an der Kreisklinik in Roth will sich künftig auch Bewerberinnen und Bewerbern mit geringerem Schulabschluss als der Mittleren Reife öffnen, die für die dreijährige Ausbildung benötigt wird, und generiert ab kommendem September neben dem bestehenden Ausbildungsangebot 20 neue Ausbildungsplätze für die einjährige Krankenpflegehilfe.

„Das Qualitätsniveau der Pflege wird dadurch jedoch nicht gesenkt, im Gegenteil“, versichert der Vorstand der Kreisklinik in Roth, Werner Rupp. „Wir wollen den Standort Roth als Bildungszentrum für Pflegeberufe ausbauen und auch den Absolventen der Mittelschule eine Art Sprungbrett für die Ausbildung zur Fachkraft in der Pflege bieten“. Denn mit dem Abschluss der einjährigen Ausbildung zum Pflegehelfer steht der dreijährigen Ausbildung zur vollwertigen Pflegefachkraft nichts mehr im Wege. „Der Weg dorthin ist nur ein bisschen länger – statt drei Jahren sind es eben eins mehr“, stellt Pflegedienstleiter Dieter Debus fest.

Ziel ist es, die besten Absolventen der einjährigen Helferausbildung in die dreijährige Pflegerausbildung zu übernehmen. Derzeit gehe man von etwa fünf Absolventen pro Jahr aus. Dadurch wolle man nicht nur für das Krankenhaus geeigneten Nachwuchs gewinnen, sondern auch alle anderen kleineren Pflegeeinrichtungen in der Region unterstützen, von denen viele selber nicht ausbilden. „Sie alle können davon profitieren, und dem bestehenden Pflegenotstand im Landkreis würde etwas Schlagkräftiges entgegengesetzt“, ist Debus überzeugt.

Die Idee für die Krankenpflegehelfer- Ausbildung hatte man mit Blick auf die Entwicklung der Schülerzahlen im Landkreis bereits im Jahr 2017. Deren zufolge würden immer mehr Realschüler weiterführende Schulen besuchen und somit für die Krankenpflegeschule verloren gehen. Der Leiter der Schule, Gesundheits- und Pflegepädagoge Markus Hanekamp, entwickelte zusammen mit Klinikchef Rupp und Pflegedienstleiter Debus die Idee. „Die Finanzierung steht nach Rücksprache mit den Krankenkassen und der Regierung von Mittelfranken, und wenn wir jetzt noch die nötige Anzahl von Bewerbern bekommen, können wir im September loslegen“, sagt Rupp. Die Voraussetzungen für den Standort Roth sind günstig: „Zum einen verfügen wir dank der bestehenden BFS die nötigen Räumlichkeiten, und südlich von Nürnberg gibt es auch keine weitere Krankenpflegehelfer-Ausbildung“, so Hanekamp. Dabei sei auch die gute S-Bahn-Anbindung ein klarer Vorteil.

Neben Absolventen der Mittelschule sei der neue Ausbildungskurs auch für Bewerber mit Migrationshintergrund interessant, die im Lauf des Jahres die erforderlichen Sprachkenntnisse für die dreijährige Ausbildung erlangen können“, findet Hanekamp. Unterstützung dafür gebe es auch vom Landkreis-Projekt „Wegbegleiter“, bei dem erfahrene „Seniortrainer“ ehrenamtlich Schülerinnen und Schülern der Rother Altenpflegefachschule betreuen, was auch auf die angehenden Krankenpflegehelfer ausgeweitet werden könne. Ein großer Vorteil für den Standort Roth sei schließlich das bestehende Personalwohnheim, das auch den angehenden Pflegehelfer-Schülern offenstehen würde.

Attraktive Vergütung
Im Gegensatz zur Ausbildung zum Altenpflegehelfer bietet die Krankenpflegehelfer- Ausbildung den Anreiz einer Vergütung, die gar nicht mal so gering ausfällt. Das Einstiegsgehalt mit tariflicher Bindung liegt mit knapp 1000 Euro brutto (996,96 Euro) im Monat weit über dem Durchschnitt. „Da ist die Krankenpflege anderen sozialen Bereichen weit voraus, zumal für Berufseinsteiger“, findet Rupp.

Dass man in der Pflege nicht schlecht verdient ist ein Punkt, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist. „Die Debatte wird dominiert von Negativbeispielen, die es zwar auch gibt, aber überwiegend in der Privatwirtschaft zu finden sind“, so Debus. Für ihn sei die Gründung der Krankenpflegehelferausbildung ein Zukunftsprojekt, mit dem man gar nicht bald genug anfangen kann. „Wer weiß, wie sehr sich die Situation in der Pflege in den nächsten zehn oder 15 Jahren zuspitzen wird“, gibt er zu bedenken. Laut Hanekamp steht auch der Träger der Schule, die Diakonie Neuendettelsau, voll hinter der Idee. „Wir ziehen alle an einem Strang, Mittelschülern und anderen Interessierten eine gute Möglichkeit zu geben, um den Schritt in die Pflege schaffen zu können“.

Bewerbungen für den im September beginnenden Kurs sind bereits eingegangen, und können nach wie vor eingereicht werden.

Foto: (v. li. nach re.)
Angehende Gesundheits- und Krankenpflegerinnen in ihrer Ausbildung. 
Anna-Lena Gerstner, Dalibor Petrovic, Jonas Beierlein und Jamal Teshome Rahma

Weitere Informationen:
www.krankenpflegeschule-roth.de