800.000 Euro für die Kreisklinik aufgetrieben

19.07.2021 - Von: Hans Pühn

Roth - Wie wichtig eine Klinik ist, bei der ein Rädchen ins andere greift und wie entscheidend es sein kann, wenn sich Pflege- und Ärztepersonal buchstäblich bis zur Erschöpfung für die Patienten einsetzen, haben die vergangenen Monate zur Genüge bewiesen. Die Pandemie als zusätzliche Herausforderung für Ärzteschaft, Schwestern und Pfleger hat aber auch gezeigt, wie wohltuend es für das Krankenhauspersonal sein kann, wenn auch Menschen außerhalb des Klinikbetriebs dessen Einsatzbereitschaft anerkennen.

Im Landkreis Roth ist diese Form der Unterstützung nicht erst seit der Pandemie ein Thema. Bereits vor 25 Jahren hatte man erkannt, dass eine unkonventionelle Förderung des Gesundheitswesens sowie die Empathie für Menschen, die sich tagtäglich in vielfältiger Weise für kranke Menschen engagieren, sehr hilfreich sein können. Eine Handvoll Männer und Frauen gründeten damals einen Förderkreis. Neben der Unterstützung für das Pflegepersonal hatte man sich vorgenommen, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten auch zur technischen Ausstattung in den Krankenhäusern beizutragen. Zudem wollte man den Patienten als Ansprechpartner zur Seite stehen.

Gegründet in Zeiten des großen Umbruchs

Inzwischen ist ein Vierteljahrhundert ins Land gezogen und die Ideen der Förderkreis-Gründer sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Zahl der Mitglieder wuchs im Laufe der Jahre auf rund 1000 Männer und Frauen an. Darüber hinaus war die Bereitschaft, mit einer Spende die Arbeit des Förderkreises zu unterstützten, von Anfang an groß. Beiträge und Spenden summierten sich in den vergangenen 25 Jahren auf die stolze Summe von 800.000 Euro. Damit konnte viel Gutes für Klinik, Personal und kranke Menschen getan werden.

Als Mitte der 1990er-Jahre erstmals der Gedanke eines Förderkreises auftauchte, befand sich die Krankenhauslandschaft im Landkreis Roth im Umbruch. Die kleinen, heimatnahen Krankenhäuser in Greding, Thalmässing, Hilpoltstein und Abenberg sollten geschlossen werden. Im Gegenzug dazu wollte die Entscheidungsträger im Landkreis Roth mit dem kontinuierlichen Ausbau der Kreisklinik am Rother Weinberg eine Basis schaffen, um auf dem in Bewegung geratenen Klinikmarkt bestehen zu können. Dass es zu dieser Bündelung der finanziellen Mittel auf ein einziges Projekt kaum Alternativen gab, war auch den von der Aufgabe "ihres" wohnortnahen Krankenhauses besonders betroffenen Menschen bewusst.

Dennoch rief die Schließung dieser Häuser allerorten das Gefühl eines schmerzlichen Verlustes hervor. Man hatte sich in gewohnter Umgebung stets gut umsorgt gefühlt. Zudem half den Patienten die räumliche Nähe zur Familie über manche schwere Stunde hinweg. "Für viele Bürger ist durch die Schließungen etwas verloren gegangen, mit dem sie sich über viele Jahre emotional identifiziert haben", brachte Landrat Herbert Eckstein die damals sehr aufgewühlte Stimmung in der Bevölkerung auf den Punkt.

Umso wichtiger erachtete es der Landkreischef, die Menschen auf den Weg zu einem zentralen Krankenhaus mitzunehmen. Die Bildung eines Förderkreises sollte zu einem der Mosaiksteine für die gewünschte emotionale Bindung der Bevölkerung zur Einrichtung am Rother Weinberg werden. Die Idee des Landrats wurde rasch umgesetzt. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens stellten sich gerne in den Dienst der guten Sache. So ließ sich auch Anton Nagel nicht zweimal bitten, die Funktion des Vorsitzenden des geplanten Förderkreises zu übernehmen. Der damalige Kreisrat aus Thalmässing, dessen berufliche Zelte in Roth standen, besaß als Verwaltungsrat der Klinik und langjähriges Mitglied im Krankenhausausschuss des Landkreises den nötigen Einblick, um Förderungsmaßnahmen maßgerecht auf den Weg zu bringen.

Gegründet wurde diese karikative Einrichtung im Juli 1996 noch als "Förderkreis der Kreiskrankenhäuser Roth und Hilpoltstein e. V.". Den Vorstand bildeten Anton Nagel als Vorsitzender sowie Heinrich Zörntlein und Fritz Knoll als erster und zweiter Stellvertreter. Als Schatzmeister fungierte Horst Schätz, als Schriftführerin Irmgard Geier. Nach drei Jahren reger Aufbauarbeit führte die Schließung des Kreiskrankenhauses Hilpoltstein als letztem der so genannten kleinen Krankenhäuser zur Umbenennung des Vereinsnamen in "Förderkreis der Kreisklinik Roth e.V.". An der Ausrichtung der ständig anwachsenden Gemeinschaft änderte sich nichts. Die Unterstützung von Technik und Personal sowie die Nähe zum Patienten blieb die Zielsetzung des Förderkreises.

Die Eintrittsschwelle für neue Mitglieder wurde mit einem Jahresbeitrag von 15 Euro (Familien 25 Euro; Körperschaften, Vereine, Firmen 50 Euro) bewusst niedrig gehalten. Als zweites finanzielles Standbein der Einrichtung erwies sich die landkreisweite Spendenbereitschaft von Bürgern und Firmen beziehungsweise Vereinen.

Ein besonderes Augenmerk schenkt der Förderverein der vor 17 Jahren eingeweihten Palliativstation. Seit zwei Jahren unterstützt der Verein in besonderem Maße auch die neuen Einrichtungen für an Demenz erkrankten Menschen. So hat der Förderkreis die Idee eines Demenzprojekts, in einem sogenannten Akuthaus intensiver als bisher mit Demenzpatienten und ihren Angehörigen zusammenzuarbeiten, mit 50.000 Euro maßgeblich mitfinanziert.

Bayernweit einzigartiger Einsatz beim Thema Demenz

Werner Rupp, der in seiner Funktion als Vorstand der Kreisklinik generell die Unterstützung seines Hauses durch den Förderkreis als ausgesprochen positiv beurteilt, erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass das Haus in Roth die erste Klinik in Bayern sei, die sich in dieser Weise mit dem Thema Demenz beschäftigt. Rupp: "Ich denke, in Zukunft werden wir uns aufgrund der demografischen Entwicklung noch viel mehr und intensiver damit auseinandersetzen müssen. Das wird die gesamte Gesellschaft noch viel Zeit, viele Überlegungen und auch Geld kosten."

Die Bereitschaft in der Bevölkerung, den Förderkreis zu unterstützen, ist nach wie vor erfreulich groß. Auch was die Mitarbeit in Vorstandschaft und Beirat betrifft. Die Mitstreiter von Urgestein Anton Nagel im Vorstand bilden heute Richard Erdmann und Dr. Daniela von Schlenk als Stellvertreter sowie Norbert Bickel als Schatzmeister und Inge Aman als Schriftführerin.

Eine der jüngsten Aktionen des Förderkreises war der Pandemie geschuldet. Einem Spendenaufruf in den Lokalzeitungen, dem Personal der Kreisklinik mit Zuwendungen wie beispielsweise einer Brotzeit ein Dankeschön zu sagen, waren mehrere hundert Landkreisbürger nachgekommen.


Foto: Ein Projekt von vielen: 2007 spendete der Förderkreis der Kreisklinik zwei Schmerzpumpen im Wert von 5400 Euro. Förderkreisvorsitzender Anton Nagel (l.) übergab die Geräte an Klinikvorstand Werner Rupp und den Chefarzt der Anästhesieabteilung