Das „Krankenhaus mitten im Grünen“ wächst und gedeiht

15.08.2018 - Von: André Ammer - Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

Seit vielen Jahren schreibt die Kreisklinik Roth schwarze Zahlen, verantwortlich dafür ist auch eine frühe „Marktbereinigung“ im Landkreis. Andernorts machen Krankenhäuser in dieser Größenordnung Jahr für Jahr Miese, doch die Kreisklinik Roth stemmt sich erfolgreich gegen den Trend. In den kommenden zehn Jahren werden sogar etwa 120 Millionen Euro in die Sanierung und Erweiterung investiert. Möglich ist das auch, weil schon vor vielen Jahren zukunftsweisende Entscheidungen getroffen wurden.

ROTH — Vor einigen Jahren hat Werner Rupp vom Schreiner einige der dunklen Holztüren seiner Einbauschränke und -regale gegen etwas freundlicher wirkende Versionen aus satiniertem Glas austauschen lassen. „Sonst hat sich hier aber seit der Eröffnung im Jahr 1984 nichts verändert“, erzählt der Vorstand der Kreisklinik, als er zum Gespräch in sein kleines Arbeitszimmer einlädt. Auch das Muster des Teppichbodens im Foyer und in den Gängen des Verwaltungstrakts zeigt, dass das 300-Betten-Haus am Stadtrand von Roth ein wenig in die Jahre gekommen ist.

Im nächsten Jahr soll jedoch die Modernisierung starten, allein dieser erste von mindestens vier Bauabschnitten wird rund 46 Millionen Euro verschlingen. Geplant ist zum Beispiel ein Anbau, in dem später unter anderem der komplette OP-Bereich und eine neue Tagesklinik für ambulante Operationen untergebracht werden. Nach und nach werden auch die Zimmer der Patienten modernisiert und teilweise auch umgebaut.

„Wir brauchen immer mehr Einzelzimmer. Viele Patienten haben inzwischen private Zusatzversicherungen und entsprechende Ansprüche“, sagt Rupp. Auch die steigende Zahl von Kranken mit Antibiotika-Resistenzen, die man isolieren müsse, mache sich bemerkbar.

Auf Entwicklungen wie diese hat man im Landkreis Roth von jeher frühzeitig reagiert und sich dabei auch nicht vor politisch schwierigen Entscheidungen gedrückt: Bereits in den 1980er Jahren wurden trotz einiger Proteste die kleinen kommunalen Krankenhäuser in Hilpoltstein und Greding mit jeweils 35 Betten sowie das kirchliche Krankenhaus in Abenberg mit 50 Betten geschlossen. „Damit hat sich die Krankenversorgung im Landkreis bereits seit über zwei Jahrzehnten auf einen Standort konzentriert“, erklärt Werner Rupp, der seit zwölf Jahren als Geschäftsführer der Kreisklinik fungiert.

Weitere wichtige Weichenstellungen waren die Errichtung einer geriatrischen Reha vor 20 Jahren („damals waren wir die zweite Klinik in Mittelfranken, die das anbot“) und der Aufbau einer Palliativstation im Jahr 2006. Auch da war das „Krankenhaus mitten im Grünen“, wie Roth für sich wirbt, eines der ersten in der Region. „Inzwischen hat jeder die Notwendigkeit erkannt, aber wenn man rechtzeitig dran ist, hat man halt den Vorsprung“, sagt Rupp.

Und so hatte die Kreisklinik mit ihren 530 Beschäftigten meistens zumindest eine schwarze Null am Ende des Rechnungsjahres stehen. Große Überschüsse erwirtschaftete man aber auch nicht: „In den vergangenen fünf Jahren hatten wir ein Plus von 300000 Euro, für ein Bilanzvolumen von 40 Millionen Euro ist das eigentlich zu wenig“, räumt der Vorstand ein. Doch es sei es auch nicht die Aufgabe eines Krankenhauses in öffentlicher Hand, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. „Unser Auftrag ist die Patientenversorgnung. Wenn man sich das bewusst macht, dann relativieren sich die Zahlen und Bilanzkurven wieder.“ Geht es so gesund weiter? Prognosen gibt Werner Rupp nur vorsichtig ab: „Denn das hängt ganz wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, die in Berlin und München gesetzt werden“.

Wenn etwa künftig gefordert werde, dass rund um die Uhr Facharztstandard vorgeschrieben ist oder Therapeuten sieben Tage die Woche präsent sind, „wie sollen das so kleine Häuser dann stemmen?“ Der Vorteil eines Krankenhauses in überschaubarer Größe sind die kurzen Wege und die überschaubaren Strukturen. „Vieles kann ich zwischen Tür und Angel mit den zuständigen Mitarbeitern besprechen.“

Motivation wichtig

Die These mancher Politiker und Krankenkassen- Funktionäre, dass Krankenhäuser unter einer gewissen Größe und Bettenzahl irgendwann einmal nicht mehr überlebensfähig sind, hält der 60-jährige Betriebswirt deshalb für ziemlich gewagt. Natürlich müsse man ein gewissen Maß an Personal und Technik vorhalten, wenn man im Konkurrenzkampf gegen andere Kliniken bestehen wolle. Aber da sei die Motivation der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit dem Unternehmen ein viel wichtigerer Faktor. Rupp setzt auch auf verschiedene Kooperationen. In zwei an das Klinikgebäude angegliederte Gesundheitszentren haben sich eine ganze Reihe von Arztpraxen, Apotheken, Rehabilitationszentren und anderen Einrichtungen eingemietet, und das Miteinander funktioniert offensichtlich recht gut. „In den 14 Jahren seit der Gründung dieser Zentren hatten wir keine einzige Kündigung“, erzählt der „Hausherr“ stolz.
 


Die Rother Kreisklinik will wachsen: Im Westen – also auf dem Foto rechts – soll angebaut werden.
Foto: Guntram Rudolph