Der Weg in die Zukunft

02.12.2019 - Von: Text: Claudia Weinig - Foto: Guntram Rudolph

Förderkreis tagte: Bauarbeiten für Teil-Neubau der KREISKLINIK haben begonnen, erste Zwischenbilanz über das neue Demenzprojekt fällt positiv aus.

ROTH. Die ersten Raupen und Bagger sind angerückt. In diesen Tagen wurde mit dem Aushub der 490 Quadratmeter großen Baugrube begonnen, auf der bis Mitte 2022 der Teilneubau der Rother Kreisklinik in Betrieb gehen soll. Der ist mit insgesamt rund 130 Millionen Euro (die bis zum Jahr 2030, auf vier Bauabschnitte verteilt, investiert werden) die teuerste Hochbaumaßnahme aller Zeiten in der Geschichte des Landkreises.

In der Jahresversammlung des Förderkreises Kreisklinik Roth umriss Klinikvorstand Werner Rupp die einzelnen Schritte. Doch eines schickte er angesichts der beeindruckenden Zahlen vorneweg: „Neben allen baulichen Maßnahmen bleiben immer noch die Menschen, die hier arbeiten, das Wichtigste. Eine Klinik ist leichter gebaut als betrieben“, machte er aus der Tatsache, dass es auch in Roth schwierig sei, immer genug Ärzte und Pflegekräfte zu finden, keinen Hehl. „Und in Zukunft wird die Situation sicher nicht einfacher“, so Rupp.

Doch verbunden mit den Investitionen in das Anfang der 80er Jahre eröffnete Haus, hoffen alle Beteiligten, dass mit dem Neu- und Anbau nicht nur die medizinische Versorgung auf breiter Basis für die Bevölkerung vor Ort gesichert werden kann; sondern auch, dass die Klinik moderne und damit attraktive Arbeitsplätze bietet und zum anderen wirtschaftlich langfristig stabil ist; dazu trägt auch die Tatsache bei, dass nicht die Klinik, sondern der Landkreis — neben dem Land Bayern — den Löwenanteil der Investition übernimmt. „Das ist alles andere als selbstverständlich. Der Landkreis behandelt seine Klinik lehrbuchmäßig“, betonte Rupp.

Der just begonnene Bauabschnitt I wird rund 55,8 Millionen Euro kosten, davon muss die Klinik selbst nur eine Million berappen. Der Landkreis schießt — ein fraktionsübergreifendes Votum liegt dem zugrunde — 20,5 Millionen Euro zu. Die übrigen 35,3 Millionen Euro kommen vom Freistaat ( wir berichteten ).

Nachdem im Winter inzwischen fast durchgehend gearbeitet werden könne, geht Rupp davon aus, dass im März 2020 mit dem Rohbauarbeiten auf der 70 mal 70 Meter großen Baugrube begonnen werde.

„Wir haben die Baustraße möglichst weit im Norden der Klinik angelegt, um die Beeinträchtigungen für Patienten und Personal so gering wie möglich zu halten. Doch ganz ohne wird es wohl nicht gehen“, warb der Klinikvorstand schon jetzt um Verständnis gegenüber dem Förderkreis, der seit über zwei Jahrzehnten Projekte und Investitionen ermöglicht, die das fest gezurrte Klinik-Budget nicht ergibt.

Leuchtturmprojekt
Jüngstes Beispiel:das „Demenzprojekt“, das vor einem halben Jahr in der Klinik angelaufen ist. Über die ersten Erfahrungen berichtete Klinik-Pflegedienstleiter Dieter Debus. Und zwar rundum positiv. „Damit haben wir in Roth bayernweit ein echtes Leuchtturmprojekt, um das uns viele beneiden.“ Die Idee dahinter: dementen Patienten durch zusätzliche Fachkräfte mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung zukommen zu lassen als dies der budgetfinanzierte Klinikalltag zulässt. Denn die Zahl der Patienten, die stationär behandelt werden müssen und die zusätzlich an Demenz erkrankt sind, ist steigend.

Die zusätzlichen Personalkosten aber übernehmen die Krankenkassen nicht. Darum sprang der Förderkreis ein und sicherte zu, im ersten (Versuchs-)Jahr die Personalkosten in Höhe von 50000 Euro komplett zu übernehmen. Mit dieser Zusage im Rücken konnte die Klinik Anfang Mai mit Tatjana Freudenreich und Melanie Bruckmeier zwei Fachfrauen einstellen, die auf die Betreuung von dementen Menschen spezialisiert sind. „Zusammen mit unseren ehrenamtlichen Helfern, die gerade in der Demenzbetreuung unverzichtbar sind, ist das ein unschlagbares Team“, machte Debus deutlich. „Nun können wir uns auch einmal der Menschen, die sonst in unserem etablierten Gruppenangebot untergehen, individuell annehmen. Das ist eine wirklich gute Sache“, zog Debus eine rundum positive Bilanz.

Die Worte stießen beim Förderkreis auf offene Ohren. Anton Nagel versicherte, dass er angesichts der guten Entwicklung gern darauf hinwirke, dass das Projekt mit Hilfe des Förderkreises weiter laufen kann, nachdem die Krankenkassen weiterhin solche „Zusatzangebote“ finanziell nicht tragen.