"Niemand erkennt mein Genie"

03.12.2018 - Von: B. Honeiser

Kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Berufsbild beim Rother Pflegetag in der Kreisklinik Vor 19 Jahren ist der Rother Pflegetag in der Kreisklinik ins Leben gerufen worden.   Ziel war es, zum einen den fachlichen Austausch, zum anderen die Vernetzung zwischen den Pflegenden der Kreisklinik, der ambulanten Pflege und der stationären Altenpflege im Landkreis zu fördern. In diesem Jahr stand der Fortbildungstag ganz im Zeichen einer kritischen Reflexion des eigenen Berufsbildes.   Zwei Impulsvorträge am Vormittag und ein World Café am Nachmittag boten Diskussionsstoff für eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Berufsbild.

Pflegedienstleiter Dieter Debus, selbst gelernter Krankenpfleger, wies auf die Tatsache hin, dass "wir alle einen tollen Beruf haben, aber oft den Eindruck bekommen, es kümmert sich niemand um uns". Mit dem Seminartag heute "wollen wir der negativen Entwicklung entgegen wirken". Klinikchef Werner Rupp, sagte, er halte den thematischen Ansatz für richtig und wünsche aber gleichzeitig bei aller Arbeitsbelastung "Power für den Alltag und weiterhin viel Spaß im Beruf".

Den Grußworten folgte ein flammender Vortrag über die aktuelle Berufspolitik von Gabriele Bayer, Vertreterin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK). Besonders ein Satz blieb den Teilnehmern des Pflegetags in Erinnerung: "Pflege ist systemrelevant", sagte Bayer und fordert, dass sich mehr Pflegende in Berufsverbänden und Gewerkschaften organisieren. "Nur so werden wir von der Politik gehört." Außerdem wünsche sie sich ein positiveres Berufsverständnis der Pflegenden.

Wie das gelingen könnte, zeigte die zweite Referentin, Trainerin und Coach Margit Hertlein, die mit viel Humor durch ihren Vortrag "Niemand erkennt mein Genie" führte. Es gebe Tage, da kommen Patienten, Ärzte, die Pflegedienstleitung, Angehörige an und alle wollen was, pochen auf ihr Recht, melden ihre Bedürfnisse an. "Genug, um sich tagelang über diese Ungerechtigkeit, die Arbeitsbelastung und die geringe Wertschätzung in Rage zu reden." Irgendwo müsse der Ärger, die Enttäuschung, der Frust jedoch hin.

Hertlein zeigte, wie Humor hilft, aus dieser Empörungsspirale auszusteigen und so zu verhindern, dass unnötig Energie in die Umwelt geblasen wird. Denn Souveränität sei nicht in erster Linie eine Technik, sondern eine innere Haltung. "Wie wir mit uns umgehen, entscheidet eben nicht die Umwelt, sondern wir." Fazit: Wer soll denn unser Genie erkennen, wenn wir es selbst nicht erkennen?

Im Rahmen eines World Cafés, diskutierten die Teilnehmer am Nachmittag in fünf Gesprächsforen munter weiter. Unter anderem wurde nachgefragt, worauf die Pflegenden in ihrem Beruf stolz sind. Es kamen beeindruckende Antworten, unter anderem: "Wir sind Leistungsträger der Gesellschaft" oder "auf meine hohe Verantwortung im Beruf und auf mein Durchhaltevermögen". An einem anderen Tisch wurden die berufspolitischen Ansichten der Anwesenden diskutiert und klare Forderungen an die Politik formuliert. Die teilweise sehr erfahrenen Pflegekräfte konnten nur wenig Verständnis für die aktuelle Gesundheitspolitik aufbringen. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass "die Pflege" durchaus systemrelevant sei, aber auch den Auftrag habe, sich einzumischen.

Im Rahmen der Informationswoche „Pflege (Be-)trifft jeden“ der Klinik-Kompetenz-Bayern (KKB), die Kreisklinik Roth ist Mitglied, wurden die Ergebnisse des World Cafés öffentlichkeitswirksam im Foyer der Kreisklinik ausgestellt.