Eine Gefahr, die man erst spät bemerkt

25.01.2021 - Von: Claudia Weinig, Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

Zu hoher Cholesterinwert kann SCHWERWIEGENDE ERKRANKUNGEN zur Folge haben. Ernährung und Sport minimieren Risiko.   Die Corona-Pandemie hat das Leben auf den Kopf gestellt. Auch wie sich die Menschen ernähren, hat sich verändert, wie verschiedene deutsche Studien zeigen. Die Quintessenz: Viele haben „Corona-Pfunde“ zugelegt. Und viele dieser Pfunde sind auch auf Lebensmittel zurückzuführen, die zu viele „ungesunde“ Fette enthalten. Hier kommt das Thema „Cholesterin“ ins Spiel. Ist dieser Wert, der per Blutuntersuchung nachweisbar ist, auf Dauer zu hoch, kann das ernsthafte Folgen für den Betroffenen haben. Warum – dazu steht Dr. Thomas Anger Rede und Antwort.

Wie merkt man eigentlich, ob man einen erhöhten Cholesterinspiegel hat beziehungsweise zum Arzt gehen sollte? Oder ist ein erhöhter Cholesterinwert kein Grund, zum Arzt zu gehen?

Da Cholesterin ein Botenstoff im menschlichen Körper ist, den man zum Teil aus der Nahrung aufnehmen muss, gibt uns unser Körper kein Warnsignal, dass man zu viel oder gar zu wenig Cholesterin aufgenommen hat. Den Cholesterinwert kann der Hausarzt oder der Internist nach einer Blutabnahme im Labor bestimmen; dieser Wert unterliegt allerdings Schwankungen – je nach körperlicher Aktivität, Art und Weise der Nahrungszufuhr, spezifischen Essgewohnheiten.
Ist der Cholesterinspiegel allerdings permanent viel zu hoch, kann es sein, dass man längerfristig Hautveränderungen bekommt, sogenannte Xanthelasmen, Fettansammlungen um die Augen herum. Das ist das augenscheinlichste Merkmal. Aber noch mehr passiert im Inneren des Körpers.

Mit dauerhaft zu viel Cholesterin im Blut, muss der Betroffene damit rechnen, neue Gefäßverkalkungen zu bekommen – beispielsweise an den Herzgefäßen, den Halsschlagadern, den Beingefäßen. Oder aber bereits vorhandene Gefäßveränderungen verschlimmern sich zusehends.

Das heißt also, dass es die Aufgabe des behandelnden Arztes ist, bei einem erhöhtem Cholesterinwert dem Patienten das individuelle Risiko aufzuzeigen, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder die Schaufenster- Krankheit zu erleiden und dann cholesterinsenkende Therapien einzuleiten.

Welche Werte geben Anlass, etwas zu tun?

Es wird unterschieden zwischen dem Gesamtcholesterinwert (sollte unter 200mg/dl liegen) und den beiden Transport-Eiweiß-Stoffen, die Cholesterin binden: HDL-Cholesterin (sollte über 60mg/dl sein) und das „schlechte“ LDL-Cholesterin (sollte unter 130mg/dl) sein ( mehr dazu im unten stehenden Info-Kasten ).
Das sind Richtwerte, von denen man aber abweichen muss, wenn beim Patienten weitere individuelle Risikofaktoren, die Gefäßverkalkungen fördern, dazukommen; wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Gicht, Rauchen oder zu geringe körperliche Aktivität.

Was fördert einen zu hohen Cholesterinwert im Körper?

Cholesterin kommt in der Natur als Energieträger vor, zum Beispiel in pflanzlichen Fetten, Eiern, Schokolade, Fleisch. Eine „ungesunde“ im Sinne von einseitiger Ernährung ohne körperliche Aktivität fördert hohe Cholesterinwerte. Ebenso Rauchen und Alkohol; genauso wie beruflicher oder privater Stress. Eine weitere Rolle spielt die familiäre Veranlagung für hohes Cholesterin. Diese lässt sich allerdings leider nicht beeinflussen.

Es gibt Menschen, die einen hohen Cholesterinwert haben, aber schlank sind. Geht das wirklich?

Ja, zu viel Cholesterin bedeutet nicht zwangsweise, übergewichtig zu sein. Natürlich kann ein Patient mit hohen Cholesterinwerten auch fettleibig sein, muss es aber nicht.
Das Prekäre an der Sache ist, dass man dem schlanken Patienten den Risikofaktor „hohes Cholesterin“ nicht ansieht.

Wenn man nun vom Arzt gesagt bekommt: „Sie haben einen zu hohen Cholesterinwert!“ Was sind für Sie die wichtigsten Gegenmaßnahmen?

Primär muss man die individuelle Ernährung umstellen auf ausgewogene Nahrung: Cholesterinarme Nahrung der cholesterinreichen gegenüberstellen und balanciert und ausgewogen essen. Die Menge der Mahlzeiten sollte normal sein – an den Energiebedarf individuell angepasst. Und das mehrmals täglich (mindestens drei Mahlzeiten). Dazu kommt zusätzlich als Hauptgegenmaßnahme die körperliche Aktivität, das heißt also sporteln. Oder sich zumindest bewegen. Selbst ein kurzer Spaziergang ist schon eine gute Sache.
Zugegeben: Innerhalb einer Familie sind unterschiedlichen Essgewohnheiten oft schwer unter einen Hut zu bringen: Während Kinder viel Energie brauchen, sinkt der Energiebedarf im Alter des Erwachsenen kontinuierlich ab. Da die richtige ausgewogene cholesterinarme Diät zu finden, wird schwierig sein.
Unmöglich ist es sicher nicht. Und bei Bedarf kann man sich bei einer Ernährungsberatung fachkundige und praxisnahe Tipps holen. Angesichts der möglichen Folgen eines permanent zu hohen Cholesterinspiegels ist das sicher die bessere Lösung. INTERVIEW: CLAUDIA WEINIG


WAS IST DAS EIGENTLICH - CHOLESTERIN?

Cholesterin ist ein Fett (Lipid), das zu etwa drei Vierteln im Körper selbst (vor allem in der Leber) hergestellt wird. Das übrige Viertel wird mit der Nahrung aufgenommen. Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Zellwände, außerdem dient es als Baustein bei der Produktion von Gallensäuren und bestimmten Hormonen. Im Wesentlichen gibt es drei Formen des Cholesterins: HDL, LDL und Gesamtcholesterin. Ist zu viel Cholesterin im Blut, steigt das Risiko für Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und damit für Krankheiten wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Arzt bestimmt den Cholesterinspiegel in der Regel, um das Arteriosklerose- Risiko zu ermitteln. Präzisere Hinweise als die Höhe des Gesamtcholesterins im Blut liefert die Bestimmung von HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin. Dabei ist das LDL eher fördernd für Arteriosklerose (oft „schlechtes Cholesterin“ genannt), während das HDL („gutes Cholesterin“) vermutlich eher schützend wirkt.

Wer Probleme mit dem Cholesterinwert hat, kann sich fachkundigen Rat bei einer Ernährungsberatung holen. Diese wird von so gut wie allen Krankenkassen – meist kostenlos – angeboten; darüber hinaus gibt es auch niedergelassene Ernährungsberater/- innen. Patienten der Rother Kreisklinik können sich während einer Behandlung oder direkt im Anschluss an die Ernährungsberaterinnen der Klinik für eine kostenlose Beratung wenden. Darüber hinaus bietet die Kreisklinik im Rahmen ihres Seminarprogramms immer wieder auch Vorträge und Kurse an, die das Thema aufgreifen. Mehr dazu unter: kreisklinikroth. de/klinik/kurs-programm/programm