Entwarnung nach erstem Verdacht

31.01.2020 - Von: Text: Kai Bader Foto: G. Rudolph

Erleichterung: Untersuchung ergibt keine Infektion mit Coronavirus - Ansteckungsgefahr bei Grippe höher.

Dr. Milan Wasserburger, untersucht mit Krankenschwester Ramona Regensburger einen Patienten.

Hilpoltstein/Roth - Weißer Mund-Nasen-Schutz, gelber Schutzkittel, blaue Einmalhandschuhe und eine glasklare Schutzbrille: Ein Arzt und eine Schwester kümmern sich am Mittwochnachmittag in der Notaufnahme der Rother Kreisklinik um den ersten Verdachtsfall einer Coronainfektion: Ein Mann, der mit dem Rettungsdienst aus einem Hotel im Landkreis kam. Die Untersuchungen laufen - doch nach rund 15 Minuten ist der Spuk vorbei: Milan Wasserburger, der Leiter der Rother Notaufnahme, zieht Kittel und Schutzmaske aus, legt die Brille zur Seite, spricht noch ein paar Worte mit dem Patienten und geht. "Bagatellentzündung", so sein kurzer Kommentar.

Die Anspannung der Mitarbeiter in der Notaufnahme ist weg. Manfred Wienziers, Hygienefachkraft an der Rother Klinik sieht es pragmatisch: "Wir haben gesehen, dass alles funktioniert." Genau für solche Fälle ist die Klinik gerüstet. Genau nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts.

Mehr noch: Die Klinik hat sogar alle Bestandteile der nötigen Schutzkleidung abgepackt bereitgelegt. Jeder Arzt, jede Schwester und jeder Pfleger hat mit einem Griff alles zur Hand. Und nicht nur das. In der Mitte der Notaufnahme verläuft eine weiß-rote Warnmarkierung auf dem Boden. Das ist die imaginäre Grenze, die niemand übertreten darf, der mit einem hochinfektiösen Patienten arbeitet. Einfach um sowohl die anderen Patienten als auch die anderen Mitarbeiter zu schützen.

Auf die Frage an den Leiter der Notaufnahme, ob er im Moment zur Spielwarenmesse gehen würde, kommt ein klares "Nein". Doch nicht etwa aus Furcht vor dem Coronavirus. "Da ist das Risiko, sich mit Grippe zu infizieren, höher. Da hat man sich schnell angesteckt."

Die massive Angst vor dem Coronavirus kann Wasserburger nicht nachvollziehen. "Da ist Panik, doch vor der Influenza, an der jährlich Tausende sterben, hat keiner Angst. Die Impfrate gegen Influenza könnte höher sein, es gehen nur wenige Menschen zur Impfung." Bei Masern sei es das gleiche, ergänzt Wienziers "Die sind hochansteckend - und immer mehr Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr impfen."

Wasserburger wünscht sich, dass die Patienten, die vermuten, dass sie sich den gefährlichen Coronavirus eingefangen haben, erst - am besten telefonisch - mit dem Hausarzt oder der neuen Beratungs-Hotline unter der Telefonnummer (09131) 68085101, abklären lassen, ob die Krankheitsanzeichen überhaupt auf dieses Virus hindeuten. "Und noch viel wichtiger, ob derjenige überhaupt mit einem anderen Menschen mit einem solchen Virus in Kontakt hat kommen können." Nicht zuletzt, ob alles innerhalb der Inkubationszeit von 14 Tagen auftritt. "Wenn jemand vor vier Wochen aus einer der betroffenen Provinzen Chinas zurückkam und erst jetzt Beschwerden hat, macht es eine Ansteckung mit dem Virus unwahrscheinlicher."

Wenn die Reiseanamnese auf eine Gefährdung hinweist, klopft Wasserburger alle Symptome ab, die auf eine Coronainfektion hindeuten: "Hohes Fieber, Husten und Anzeichen einer Lungenentzündung." Wenn ja, macht er einen Nasen- und Rachenabstrich, der dann an die Virologie in Erlangen geschickt wird. "Dann haben wir innerhalb von 24 Stunden Gewissheit." Für das Coronavirus gibt es keine Schnelltests. Wohl aber für die Grippe. "Wir machen gleichzeitig den Influenza-Test zur Differentialdiagnose", ergänzt Wienziers.

Selbst wer den Coronavirus in sich trägt, muss sich nach derzeitigem Wissen nicht viele Gedanken machen. "Wir haben zwar keine verlässlichen Angaben aus China, aber bei gesunden Menschen verläuft die Infektion nach unseren Erkenntnissen unkomplizierter", sagt Wasserburger. "Wie bei der Grippe sind aber ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen stärker gefährdet."

Milan Wasserburger rät allen, die Angst vor einer Ansteckung haben, das gleiche wie denen, die sich vor der Grippe sorgen: Menschenansammlungen vermeiden, auf das Händeschütteln verzichten und die Hände regelmäßig mit Seife waschen. "Aber bitte richtig, länger als zehn Sekunden intensiv einseifen und dann gut abwaschen. Nicht nur einmal schnell die Hände unters Wasser halten."


"Anstecken kann man sich überall"

Chef des Rother Gesundheitsamtes sieht keinen Grund für übertriebene Angst vor dem Virus

Hilpoltstein/Roth - Nicht der Coronavirus, sondern die Grippe ist es, die den Menschen im Moment sorgen machen sollte: "Die ist zur Zeit viel problematischer", sagt Stefan Schmitzer, Leiter des Rother Gesundheitsamts.

Die Symptome sind bei beiden Erkrankungen fast identisch: Fieber, Husten und allgemeine Krankheitssymptome. Eine Unterscheidung gibt es trotzdem: Nur bei Grippe kommt auch ein Schnupfen dazu. Und bei beiden Infektionen gelten die gleichen Regeln, um eine Infektion zu vermeiden. "Wir haben eine Tröpfcheninfektion, die durch Husten und Niesen übertragen wird." Wer Niesen muss, sollte laut Schmitzer tunlichst in die Ellenbeuge niesen. Da jedoch auch eine Schmierinfektion, also zum Beispiel beim Händeschütteln, möglich ist, sollte man auf regelmäßiges Händewaschen achten. Atemmasken sind laut Schmitzer zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig. "Dazu kommt, das die normalen Papiermasken sowieso nicht virendicht sind", so Schmitzer.

Natürlich seien beim Coronavirus wie bei Grippe Menschenansammlungen immer problematisch. "Aber anstecken kann man sich überall. Also wo höre ich auf? Darf ich nicht mehr Busfahren? Nicht mehr in ein Konzert? Ich hätte keine Bedenken", so der Chef des Gesundheitsamtes.

Panik haben die Menschen seiner Meinung nach im Moment noch nicht. Er sieht das daran, das bislang kein einziger Bürger im Gesundheitsamt angerufen hat. "Nur ein paar Arztpraxen haben nachgefragt, wie sie sich verhalten müssten."

Was er Menschen an die Hand geben will, wenn sie befürchten, sich angesteckt zu haben, ist einfach: Wenn jemand aus den betroffenen Provinzen Chinas kommt oder mit einer solchen Person zusammengekommen ist und innerhalb von 14 Tagen erste Symptome bemerkt, sollte er den Hausarzt informieren. "Der wird ihn normalerweise gleich in die Klinik schicken", sagt Schmitzer. "Wichtig ist, dass der Betreffende oder der Hausarzt das Krankenhaus vorher informieren, damit es sich vorbereiten kann."

Die Ärzte werden dann erst einmal einen Nasen- und Rachenabstrich nehmen und zusammen mit Lungensekret an ein spezielles Labor schicken. "Einen Schnelltest für Hausärzte oder Krankenhäuser gibt es derzeit noch nicht und auch die meisten Labore müssen ihn im Moment erst etablieren", sagt Schmitzer.

Die Behandlung unterscheidet sich ebenfalls kaum von der einer Grippe: "Wir können nur die Symptome behandeln, den Rest muss der Patient selbst auskurieren. Und bei allen, die keine Vorerkrankungen haben oder in höherem Alter sind, verläuft die Krankheit sehr mild."

Schon bei einem Verdacht wird das Gesundheitsamt informiert. "Wir versuchen, sämtliche Kontaktpersonen zu ermitteln." Diese würden allerdings nicht gleich eingewiesen. "Sie müssen zweimal täglich Fieber messen und täglich mit uns telefonieren, damit wir wissen wie ihr Gesundheitszustand ist."

Im Moment sieht Stefan Schmitzer keine Gefahr, dass auch im Landkreis echte Infektionen auftreten werden. "Aber wir sind darauf vorbereitet, dass der Virus auch zu uns kommt."