Geriatrische Reha - Wertvoller Teil im großen Medizin-Puzzle

31.10.2018 - Von: Guntram Rudolph

Abwechslungsreicher Aktionstag zum 20-jährigen Bestehen der geriatrische Rehabilitationsabteilung Ihr 20-jähriges Bestehen hat die geriatrische Rehabilitationsabteilung an der Kreisklinik Roth gefeiert. Die Einrichtung ist damit nicht nur längst erwachsen geworden, sondern zählt auch zu den Erfolgsgeschichten in der Gesundheitslandschaft des Landkreises Roth.

Begonnen hat der Jubiläumstag mit einem ökumenischen Festgottesdienst mit dem evangelischen Pfarrer Joachim Klenk und dem katholischen Diakon und Klinikseelsorger Jürgen Zeller. In der Andacht wurde von Klenk die biblische Erzählung von der Heilung einer verkrümmten Frau auf die heutige Behandlungspraxis der Geriatrischen Reha projiziert.
Klenk stellte dem Abteilungsleiter Oberarzt Albert Struntz die Frage, was die kranke Frau aus der Bibel heute in seiner Abteilung als Patientin zu erwarten hätte. Struntz erklärte in dem "doch etwas anderen Gottesdienst", wie Klinikleiter Werner Rupp später sagte, in kurzen Zügen das umfassende Behandlungskonzept. Fazit: Jesus stellte damals den Menschen in die Mitte des Lebens und somit in die Mitte der Gesellschaft. Diesen ganzheitlichen Ansatz habe die Geriatrische Reha in ihr Behandlungskonzept aufgenommen und handelt mit ihrem Team entsprechend dem christlichen Menschenbild.

Das immer wieder formulierte Credo des langjährigen Oberarztes lautet: "Wenn wir es schaffen, bei unseren Patienten die größtmögliche Selbständigkeit, ein eigenständiges Leben und das alles möglichst in den eigenen vier Wänden herbeizuführen, haben wir den größten Therapieerfolg erreicht."

Der Erfolg der Abteilung kann laut Rupp anhand von drei Zahlen leicht belegt werden. "Eindrucksvolle 80 Prozent unserer rund 10000 Patienten schafften es in den letzten 20 Jahren, nach ihrem Reha-Aufenthalt in ihr heimisches Umfeld zurückzukehren." Mit der Aussage "Ich bin stolz auf dieses Team", würdigte der Klinikchef die besonderen Leistungen der 30 Mitarbeiter. Noch vor wenigen Jahrzenten sei es unvorstellbar gewesen, dass in einer Rehabilitationseinrichtung auch Menschen mit einem Alter von 100 Jahren therapiert werden.
Rupp nannte es einen großen Erfolg, wenn einem betagten Menschen der Zugewinn an Lebenszeit verbunden mit mehr Lebensqualität zu Gute kommt. Diese Entwicklung müsse in der Gesellschaft breiter diskutiert und positiver geschätzt werden. Zugleich verwies er auf die großen Herausforderungen, die diese Entwicklung mit sich bringen würde und nannte die "Personalressourcen und die Möglichkeiten der Weiterversorgung der Patienten nach einem stationären Aufenthalt" als die Hauptprobleme.
Der Neubau der Einrichtung mit einer geriatrischen Reha, einer Akutstation und dem Parkdeck sei damals schon mit 12,5 Millionen Mark eine finanziell anspruchsvolle Aufgabe für den Landkreis Roth gewesen, erinnerte sich Rupp. Der Anteil der Geriatrischen Reha an der Baumaßnahme lag bei über sieben Millionen Mark. Damals stemmte der Landkreis die Finanzierung übrigens aus eigenen Mitteln, also ohne Förderung des Freistaats Bayern.

Am Nachmittag des Jubiläumstags konntes die Besucher zwischen zwei Fachvorträgen von Albert Struntz und Gerhard Kunz, Leiter des Pflegestützpunkts auswählen. Struntz referierte über die "Medikamenteneinnahme bei Senioren" und Kunz informierte über Besonderheiten bei der "Wohnraumanpassung im Alter".
Am Nachmittag waren mit vielen Mitmachaktionen die Klinikhygiene, zwei Sanitätshäuser aus dem Landkreis, Vertreter der Wohlfahrtverbände und das Endoprothetikzentrum der Kreisklinik in den Räumen der geriatrischen Reha vertreten. Anschaulich anhand von Modellen zeigte beispielsweise der Chirurg Marco Curschmann, Hauptoperateur des Endoprothetikzentrums, worauf es bei den Operationen der Hüft- und Kniegelenke ankommt.

Wie es mit dem persönlichen Gleichgewicht und der Geschicklichkeit aussieht, konnte man gemeinsam mit den anwesenden Physiotherapeuten testen. Die Pflegenden der Geriatrischen Reha stellten ihr Können vor und demonstrierten wie in der Pflege rückenschonend gearbeitet werden kann.
Dass jeder Mensch einem normalen Alterungsprozess unterliegt, wurde manch einem Besucher mehr oder wenig humorvoll mit dem Altersanzug und dem Gehparcours vor Augen geführt. Die Ergotherapeuten nahmen die Interessenten mit hinein in ihren Arbeitsalltag. Sie zeigten, wie die Patienten mit ergotherapeutischen Anwendungen und speziellen Hilfsmittel den Alltag im Alter besser meistern können.
Mit der demonstrativen Anwendung eines "Kneippschen Gusses" wurden dem einen oder anderen die Füße wieder warm und worauf es bei der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie ankommt, wurde in den Räumen der Logopäden erklärt. Die Mitarbeiter des Sozialdienstes hatten ihre Türen weit geöffnet und informierten über ihre Arbeit. Sie beraten täglich Patienten und deren Angehörige bei Fragen, die sie im Krankenhaus, nach der Entlassung oder während einer Rehabilitationsmaßnahme haben.



Als ein Teil im großen Puzzle fügt sich die Reha-Abteilung in das Gesamtbild einer flächendeckenden, wohnortnahen, medizinischen Versorgung im Landkreis ein und ist mit ihren speziellen therapeutischen und medizinischen Angebotenen besonders für Senioren und deren Angehörige im Landkreis nicht mehr wegzudenken. Zum Gesamtkonzept der Abteilung gehört nicht nur die gesundheitliche Wiederherstellung der ihr anvertrauten Patienten, sondern auch der Kontakt zum sozialen Umfeld sowie die Sorge für die Zeit nach der Reha.
Als geriatrische Rehabilitation bezeichnet man eine Wiederherstellungstherapie für ältere Patienten mit einem ganzheitlichen Ansatz, welche das Bestehen verschiedener und gleichzeitig bestehender Krankheiten bei betagten Menschen berücksichtigt. Ziel der geriatrischen Rehabilitation ist nicht die Heilung einer bestimmten Krankheit, sondern die Wiederherstellung der eigenen Selbstständigkeit und die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit nach einer schweren Erkrankung.